Medienforum NRW
Wenn
man das Medienforum aus früheren Jahren kennt, dann war das Medienforum 2005
eine etwas andere Veranstaltung: Messe statt Maritim, gefühlte 1,5 Tage statt
3,5 Tage, N24 und QVC statt RTL und WDR. MP Rüdgers fokussierte sein Referat auf
die Landespolitik. Das Ausbildungsforum "Generation m" hatte großen Zuspruch bei
vielen Teilnehmern. Am Kaffeetisch hörte man Sprüche wie "Niedergang des
Medienforums".
Schade, denn die
Diskussionen auf den Podien waren gar nicht so schlecht. Es gab Diskussionen
über Zukunftsformate im Fernsehen und Zukunftsmodelle gegen sinkende
Werbeeinnahmen, aber auch Kritik an der Bevormundungspolitik der EU. Unter dem
Stichwort IPTV wurden zukünftige Entwicklungen in der Technologie und
Inhalteentwicklung vorweggenommen: Zukunftsmärkte sind Fernsehprogramme, die der
Zuschauer individuell bestimmt abrufen kann. Gefragt ist der 5-Minuten-Film, der
beim Warten auf den Bus mobil betrachtet werden kann. Denkbar ist auch, dass
Programm-/Formatmarken die Sendermarken in ihrer Bedeutung schmälern.
Problematisch für die derzeitige Medienfinanzierung sind die PVA-Geräte, die
Werbeinseln aus dem Programm herausschneiden.
Das denkbare
Lösungsszenario des Product Placement dominierte die medienpolitische Diskussion
am 1., aber auch 2.Tag. Die Werbewirtschaft plädierte teils für eine Aufweichung
der Werberestriktionen, da der Zuschauer heute selbst zwischen Programm und
Werbung unterscheiden kann. Von Seiten der EU gibt es Tendenzen, die Regulierung
zu liberalisieren. Journalist Lilienthal gestand zu, dass dies bei bestimmten
Spartenkanäle denkbar sei. Problematisch sei allerdings, dass inzwischen selbst
die Drehbücher beeinflußt werden. Die Glaubwürdigkeit der Sender leidet durch
die Schleichwerbung, so dass selbst Medienvertreter wie A. Rohnke sich gegen
eine Liberalisierung aussprachen. Von Seiten der Rundfunkaufsicht wurde durch
W. Thaenert betont, dass die grundsätzliche Trennung zwischen Redaktion und
Werbung erhalten bleibt. Prof. Kreile stellte aus juristischer Sicht klar, dass
Produkte nicht absichtlich zu Werbezwecken platziert werden dürfen. Ferner darf
der Verbraucher nicht über die Werbeabsicht in die Irre geführt werden. Gewarnt
wurde vor der Gefahr, durch die Diskussion über Product Placement die
grundsätzliche Reformbedürftigkeit des Rundfunkwerberechts zu vernachlässigen.
Berichterstattung: RA
Petra Marwitz, Frankfurt/M., 5.7.2005