6. Fachtagung der Organisation Werbungtreibende
im Markenverband (OWM)
Werbewirkung und Werbeumfeld: Inhalte und
Zielgruppen
Am 22./23. November 2001 traf sich die Werbeelite inzwischen
schon traditionell in Hamburg zur 6. Fachtagung der Organisation
Werbungtreibende im Markenverband (OWM). Im gewohnten Stafettenlauf der
Kurzvorträge à ca. 20 Minuten stellten hochrangige Vertreter der Medien- und
Werbewirtschaft ihre Ansicht zu dem Themenfeld "Werbewirkung und
Werbeumfeld" dar. Dr. Horst Stipp von der NBC New York zeigte die
amerikanischen Erfahrungen auf. Er verdeutlichte die Schwierigkeiten der
Qualitätsstrategie und stellte die Frage, wie Aufmerksamkeit gemessen werden
kann. Als Qualität bezeichnete Stipp zum einen die Qualität des
Programmumfeldes und zum zweiten die Qualität des Zuschauerverhaltens, also den
Aufmerksamkeitsgrad der Zuschauer bei den Programmen, welcher auch die
Aufmerksamkeit bei der Werbung beeinflußt. Karl-Ulrich Kuhlo, Vorsitzender des
Aufsichtsrates von NTV, zeigte den Mediaentscheidern die Maßgeblichkeit von
Glaubwürdigkeit und Seriosität als Programmumfeldern für Werbung auf.
Dr. Günter Struve, Programmdirektor der ARD, warb ebenfalls für das von ihm
vertretene Programm als Werbeumfeld. Gerhart Zeiler, Geschäftsführer
RTL-Television, hob die besondere Bedeutung des Formates gegenüber dem
Moderator hervor. Bei den Inhalten finde ein Wertewandel statt. Qualität werde
wichtiger. Auch Michael Grabner, Geschäftsführer Verlagsgruppe Georg von
Holzbrinck GmbH, hob die Bedeutung der Qualität hervor. Für den Leser könne
der Nutzwert beschrieben werden mit den Worten Wissen, Wahrheit,
Unterhaltungswert. Axel Dietz, Vorstandsmitglied des Markenverbandes und der OWM
sowie Vorstand Marketing Wella AG, hob die Verantwortung der werbungtreibenden
Wirtschaft hervor, die sich vor allem auf funktionierende Mechanismen der
Selbstkontrolle beziehe. Werbung müsse glaubwürdig bleiben und dürfe sich
nicht auf indirektem Wege, gar manipulativ dem Verbraucher nähern. Die
werbungtreibende Wirtschaft suche effektive und effiziente Möglichkeiten, ihre
jeweiligen Zielgruppen zu erreichen. Die Umfelder müßten also zu ganz
spezifischen Zielgruppen, zu ganz bestimmten Produkten und Dienstleistungen
passen. Dr. Markus Jäger, MDL, Vorsitzender der CSU-Medienkommission, betonte
die Notwendigkeit von mehr Eigenverantwortung der Medien. Im Hinblick auf
Pornographie und Gewaltverherrlichung sei eine Verschärfung der Vorschriften
erforderlich. Insgesamt müsse aber der Bereich der freiwilligen Selbstkontrolle
stärker werden. Auch die Landesmedienanstalten würden eine entscheidende Rolle
spielen. Im Hinblick auf das Internet sei eine zentrale Kommission zur Kontrolle
des Jugendschutzes eingerichtet worden. Dr. Eckehart Wienholtz, Vorsitzender des
Medienrates sowie Vertreter der unabhängigen Landesanstalt für das
Rundfunkwesen, bezeichnete die Debatte um die Qualität des Fernsehens als so
alt wie das Medium selbst. Für die Landesmedienanstalten sei die Vielfalt die
wichtigste Dimension, um Programmqualität zu beurteilen. Eine weitere wichtige
Dimension für die Bewertung von Programmqualität sei die Professionalität.
Auch das Kriterium der Rechtmäßigkeit spiele eine wichtige Rolle. Wienholtz
zeichnete die Vision einer regulierten Selbstkontrolle auf, bei der die
Landesmedienanstalten das letzte Wort beanspruchen können. Es gehe um eine
Regulierung im Dialog als Element eines Bündnisses für Programmverantwortung.
Die OWM als Gastgeberin befürwortet den Vorrang
funktionierender Selbstkontrolleinrichtungen vor staatlicher Aufsicht.
Medienrechtliche Regelungen sollen harmonisiert und vereinfacht werden, damit
unterschiedliche Rechtsregelungen, die zu Problemen für alle Marktpartner
führen können, abgebaut werden. Ein einheitliches, länderübergreifendes
Jugendschutzrecht wird daher begrüßt. Mit Blick auf das zukünftige
konvergente Nutzerverhalten schlägt die OWM einen einheitlichen rechtlichen
Rahmen für alle elektronischen Medien und damit eine Integration von Rundfunk-
und Mediendienstestaatsvertrag vor. Mit einem Positionspapier zur
Ministerpräsidentenkonferenz 2001 bittet die Organisation Werbungtreibende die
Ministerpräsidenten der Bundesländer um Fortsetzung des Dialogs mit der
Wirtschaft, deren Bedürfnisse im Bereich der Medienpolitik mehr als bisher
Rechnung getragen werden sollte. Dr. Hans-Dieter Liesering, Vorsitzender der OWM
und Managing Director Group Communications Deutsche Bank AG verdeutlichte in
seinem Einführungsreferat diese Positionen und verknüpfte sie mit Anmerkungen
zur Werbekonjunktur: Aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Daten müsse im Jahr
2001 im Vergleich zu 2000 mit einem Rückgang von bis zu 10% der
Werbeinvestitionen gerechnet werden. Dr. Liesering äußerte in diesem
Zusammenhang die Hoffnung, dass die bisherige, meist nachfrageorientierte
Preisfindung insbesondere im TV-Markt nunmehr durch leistungsorientierte Preise
ersetzt werde. Die OWM setzt sich ein für Kommunikationsfreiheit auf der Basis
der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und freiwilliger Rahmenbedingungen.
Zwischen Käufern und Verkäufern, den Medien also, soll ein Marktgleichgewicht
herrschen unter möglicher Einbeziehung der Agenturen in treuhänderischer
und/oder beratender Funktion.
Bericht von Rechtsanwältin Petra Marwitz

Diese Webseite ist in Deutschland
entstanden. Sie ist urheberrechtlich geschützt. Nähere Informationen entnehmen
Sie bitte dem Impressum.