Streitschlichtungsverfahren im
E-Commerce, WIPO, 6./7.11.2000
Internationale Konferenz der WIPO zu Streitschlichtungsverfahren im
elektronischen Geschäftsverkehr
Am 6. und 7. November 2000 trafen sich in Genf auf Einladung der Weltorganisation für
geistiges Eigentum (WIPO) mehr als 250 Streitschlichtungsinteressierte. Francis Gurry,
WIPO Assistant General Director, der die Konferenz im Namen des WIPO Director General
Kamil Idris eröffnete, betonte das wachsende Bedürfnis nach Streitschlichtungsverfahren
als Antwort auf die Herausforderungen und Möglichkeiten des elektronischen
Geschäftsverkehrs. In elf verschiedenen Panelsitzungen wurden unter anderem
Fragestellungen des anwendbaren Rechts und der Durchsetzbarkeit des Rechts in einer
grenzenlosen Welt, die Möglichkeiten zur Schlichtung von Verbraucherstreitigkeiten sowie
des Application Service Providing erörtert.
Online-Streitschlichtung für Kundenreklamationen
Von Bedeutung waren die Überlegungen zu technischen Streitschlichtungslösungen.
William K. Slate II von der American Arbitration Association zeigte den steigenden Bedarf
nach Streitschlichtungsverfahren auch im B2B-Bereich auf. Slate sagt den
Online-Technologien für Streitschlichtungsverfahren ein großes Wachstum voraus. Der
Vermeidung und der Vorwegnahme von Streitigkeiten würde zukünftig eine besondere
Bedeutung zukommen. Francois Dessemontet verdeutlichte in einem Überblick, dass
verschiedene Anknüpfungspunkte zur Bestimmung des anwendbaren Rechts bei Streitigkeiten
um Geistiges Eigentum möglich sind. Zahlreiche Differenzierungen und zum Teil
Wertungsentscheidungen sind erforderlich, um die richtige Weichenstellung für die
richtige Lösung eines Falles zu wählen. Vorgestellt wurde ein
Online-Streitschlichtungsverfahren des amerikanischen Anbieters Squaretrade, mit dem auch
Online-Anbieter wie Ebay und Yahoo zusammenarbeiten. Dieses System hilt bei der
Bearbeitung von Kundenreklamationen. Wayne I. Fagan, ein Rechtsanwalt und erfahrener
Mediator aus San Antonio, hob in seinem Vortrag die Bedeutung der persönlichen Begegnung
der Parteien im Rahmen eines Mediationsverfahrens hervor. Seiner Ansicht nach gebe es zwar
Raum für Online-Mediationsverfahren, allerdings nur für bestimmte Fallgestaltungen.
US-Behörde als internationale Beschwerdestelle
Lisa Rosenthal von der amerikanischen Federal Trade Commission zeigte das sprunghafte
Wachstum von Verbraucherbeschwerden gegenüber Internetanbietern auf. Während der Anteil
der Internetbezogenen Beschwerden 1998 noch 11 % betrug, waren es 1999 schon 22 %.
Besonders stark ansteigen würden auch die Beschwerden ausländischer Verbraucher. Auch
die Beschwerden amerikanischer Verbraucher über ausländische Internetunternehmen haben
stark zugenommen. Alternative Streitschlichtungnsverfahren werden als ein praktikabler Weg
angesehen, Verbraucher wirksam zu schützen. Fair Dispute Resolution Practices"
müßten entwickelt werden.
Streitschlichtungsregeln
Vorgestellt wurden auf der internationalen Tagung in Genf verschiedenen
Streitschlichtungssysteme, die bereits genutzt werden. Besonders hervorgehoben wurde das
ICANN-Streitschlichtungssystem für Domain-Namen. Viele dieser Fälle werden beim
Arbitration and Mediation Center der WIPO anhängig gemacht. Die WIPO entscheidet die
Fälle auf der Basis der Streitschlichtungsregeln der ICANN sowie mit Hilfe der
ergänzenden Regeln des WIO Arbitration and Mediation Centers. Für den Bereich der
Application Service Provider wurden von den Anbietern eigene Best Practice Rules
entwickelt, die auf der Tagung teilweise vorgestellt wurden. Weitere Musterklauseln
stellte das CRP Institut for Dispute Resolution vor. Insgesamt zeigte sich auf der
Konferenz kein einheitliches Bild über die Zukunft der
Online-Streitschlichtungsverfahren. Während in einzelnen Workshops erhebliche Kritik zu
hören war und die Frage nach erfolgreich gelösten Fällen unbeantwortet blieb, wurden
auf dem Podium die Mediatoren, die an ihrem alten Papier-System festhalten wollen, als
Haupt-Verhinderer der Online-Streitschlichtungsverfahren angesehen. Die Tagung endete mit
einer Einladung zu einem Seminar im Mai 2001 in London, auf welchem die Nutzung von
E-Media und E-Technologie in konventionellen Mediations- und Streitschlichtungsverfahren
erörtert werden soll.
Berichterstatterin: RA Petra Marwitz, Kanzlei Marwitz, Frankfurt/M., 15.12.2000

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